Projektbeschreibung

Zielsetzung des Projekts

Mit dem Forschungsprojekt Ethik der Immigration werden zwei Ziele verfolgt: Erstens soll ein präziseres und adäquates Verständnis eines globalen Rechts auf Bewegungsfreiheit und der Bezugspunkte bzw. der Methoden gewonnen werden, über die es zu konkretisieren ist. Zweitens soll die Grundlage für einen erfolgversprechenden Antrag für eine DFG-Kollegforschergruppe zum Thema Ethik der Immigration geschaffen werden.

Dabei wird von der Hypothese ausgegangen, dass sich ein Recht auf Bewegungsfreiheit nur unter Berücksichtigung der empirisch zu erfassenden Gründe für Migration und deren Einschränkung angemessen verstehen lässt.

Aus philosophischer und politiktheoretischer Perspektive werden Forschungsansätze der Sozial-, Politik- und Wirtschaftswissenschaften zu Gründen und Hindernissen von Migration betrachtet und hinsichtlich ihrer normativen Bedeutung erörtert. Die so gewonnenen Erkenntnisse werden in die Debatten um die Untersuchung und präzise Bestimmung der Reichweite eines globalen Rechts auf Bewegungsfreiheit eingespeist und stellen einen wichtigen Beitrag zur Forschung in den Bereichen globale Gerechtigkeit, politische Legitimität sowie Multikulturalismus dar.

Arbeitsprogramm

Das Projekt ist in drei Arbeitsphasen aufgeteilt. In der ersten Phase wird die normative Relevanz der empirisch aufgezeigten Gründe und Ursachen für Emigration und Immigration betrachtet und systematisiert. In der zweiten Phase wird die Auseinandersetzung mit der aktuellen Forschung zu Migrationseinschränkungen und zur Bedeutung von Migration in aktuellen Gesellschaften, angesichts der Entwicklungen von Staatlichkeit im internationalen Mehrebenensystem sowie unter den derzeitigen ökonomischen Verhältnissen gesucht. Hierzu wird ausgehend von einer Typologie der Immigrationshindernissen untersucht, welchen normativen Stellenwert diese Hindernisse haben. In der abschließenden dritten Projektphase werden die Erkenntnisse der ersten beiden Phasen in einer präziseren und adäquateren Bestimmung eines Rechts auf Bewegungsfreiheit zusammengeführt werden.

Zugleich sollen in allen Projektphasen drei methodologische und praktisch-politische Fragenkomplexe thematisiert werden.

Erstens bewegt sich die gesamte Diskussion des Zusammenhangs zwischen dem Recht auf Bewegungsfreiheit und den Gründen von Hindernissen beziehungsweise der Bedeutung von Migrationsursachen im Kontext der jüngeren Erörterungen der Relevanz, die Machbarkeit (feasibility) und andere Erwägungen nicht-idealer Theorie für die normativen Betrachtungen der politischen Philosophie haben. Zweitens wirft die Berücksichtigung sozial-, wirtschafts- und politikwissenschaftlicher Forschung für die normative Diskussion des Rechts auf Bewegungsfreiheit die Frage nach dem Verhältnis der Methoden und Hintergrundannahmen dieser verschiedenen Disziplinen zueinander auf. Und drittens muss im Gespräch mit politischen Akteuren beziehungsweise eigenen Initiativen, die in den öffentlichen Raum hineinwirken sollen, die Auseinandersetzung mit denjenigen gesucht werden, die an Entscheidungen über die Einwanderungspolitik beteiligt beziehungsweise von diesen Entscheidungen direkt betroffen sind